ERL - Das Projekt
Das ERL-Projekt der Werkstatt St. Michael wird durch das Kooperationsprogramm Interreg Polen-Sachsen 2014-2020 gefördert. Unser Projektpartner ist der Landkreis Zlotoryja in Niederschlesien. Gemeinsam mit der dortigen "Anstalt für berufliche Aktivierung" in Swierzawa führen wir das Projekt durch.
Im Rahmen dieses Projektes werden grenzüberschreitend Bildungsinhalte für 10 Berufe erarbeitet, die die individuellen Möglichkeiten von Menschen mit Behinderungen berücksichtigen. Durch Sprachschulungen und die Einführung einfacher, piktogrammbasierter Verständigung versuchen wir die Sprachbarrieren abzubauen. Das sollen auch geplante sportliche und kulturelle Veranstaltungen vereinfachen, die allen Projektteilnehmern das Kennenlernen der Kultur, des Brauchtums und Wissenswertes des Nachbarlandes ermöglichen. Im Mittelpunkt stehen die personalen und sozial-kommunikativen (weichen) Kompetenzen: Kreativität, Handlungsdynamik, Kommunikation, Teamarbeit und Durchsetzungsvermögen, die im Laufe des Projektes erworben oder gesteigert werden sollen. Geplant ist weiterhin, dass Menschen mit Behinderung Praktika auf dem 1. Arbeitsmarkt absolvieren. Hierfür werden sie im Projekt vorbereitet und direkt begleitet. Für entsprechende Unternehmen wird ein Leitfaden über Fördermöglichkeiten sowie die Rechte und Pflichten bei der Beschäftigung von behinderten Menschen auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt erarbeitet.
Besonders gespannt warten wir auf die Erweiterung unserer Bäckerei. Dank der Förderung des Projektes bekamen wir die Möglichkeit, die bestehende Bäckerei im Klosterhof zu einer teilhabeorientierten und zukunftsfähigen Bäckerei mit Cafébetrieb und touristischem Informationszentrum umzubauen. Über unsere Fortschritte werden wir unter Aktuelles berichten.
Die offizielle Eröffnung des Projektes "Educatio, Repetitio, Labora – Lebenslanges Lernen für Menschen mit Behinderung" fand am 20. Oktober 2017 in Zlotoryja (Polen) statt. Zur Veranstaltung waren viele Gäste eingeladen, unter anderem Herr Pawel Kurant, Leiter des gemeinsamen Sekretariats des Programms Interreg Polen-Sachsen 2014-2020, durch das das ERL-Projekt gefördert wird. Er übergab den Projektpartnern einen Scheck in Höhe von 1,25 Mio. €.
Das neue Projekt wurde von unserer Werkstatt gemeinsam mit dem polnischen Partner vorbereitet und wird bis Mitte 2020 in beiden Grenzregionen durchgeführt.
Das ERL-Projekt wurde zum 31.03.2021 abgeschlossen. Im Projektzeitraum von Juni 2017 bis März 2021 wurden 40 Menschen mit Behinderungen in der Werkstatt St. Michael auf Grundlage, der im Projekt erstellten Berufskompetenzprofile geschult. Die Werkstattleitung Karin Ziesch, die Bildungsbegleiterin Monika Huschenbett und die Projektkoordinatorin Manuela Zschornack haben gemeinsam am Projektziel gearbeitet und mit den Beschäftigten die Bildung in der Werkstatt „angekurbelt“. Die Berufskompetenzprofile wurden auf Grundlage der Praxisbausteine der Diakonie Sachsen erstellt und werden in der WfbM als Bildungsgrundlage für den Berufsbildungsbereich genutzt. Die Berufskompetenzprofile wurden für die Landschaftspflege, die Tischlerei, die Bäckerei, die Keramik und die Montagebereiche erstellt.Hier lernen die Werkstattmitarbeiter die Arbeitsbereiche kennen, lernen Wichtiges zu Arbeitsschutz, Umweltschutz, Hygiene usw. aber auch Grundwissen für ihren Arbeitsbereich wird vermittelt.Im Rahmen dieser Schulungen erwerben die Teilnehmer neue Kenntnisse und Fertigkeiten, die sie täglich im Werkstattalltag brauchen.
Als Abschluss dieser Schulungen kamen am 25.03.2021 alle teilnehmenden Menschen mit Handicap und das ERL-Team zu einer feierlichen Zertifikatsübergabe zusammen. Voller Stolz nahmen sie ihre Zertifikate und kleine Präsente in Empfang. Das ERL-Projekt blickt auf eine langjährige gute Zusammenarbeit zurück und hofft auch weiterhin auf Fortschritte in der Bildung unserer Beschäftigten. Ein großer Dank gilt auch dem INTERREG-Programm, welches das Projekt mit finanziellen Mitteln unterstützte.Wir wünschen allen Teilnehmern, Mitarbeitern und Unterstützern viel Freude beim Lernen und Lehren, sowie Gottes reichen Segen und bedanken uns für das Vertrauen in die Projektmitarbeiter und die Unterstützung bei der Projektumsetzung. Es gibt auch „bewegte Bilder“ zu dieser Veranstaltung, diese können im Abschlussfilm des ERL-Projektes angesehen werden.
Bei den beruflichen Kompetenzprofilen liegt das größte Innovationspotential des ERL-Projektes, da die Aus- und Weiterbildung an den Inhalten des Grundberufes orientiert und nicht mehr durch die Infrastruktur der Einrichtung begrenzt ist. Damit werden die Menschen mit Behinderung unabhängig vom ursprünglichen Bildungsort ausgebildet. Entscheidet sich beispielsweise ein polnischer Beschäftigter zu einer Aus- und Weiterbildung als Bäcker, kann er anhand der abgestimmten beruflichen Kompetenzprofile durch die Fachkräfte in Polen ausgebildet werden. Dies geschieht in Anlehnung an sog. Schulische Ausbildungen. Kompetenzen, welche in diesem Rahmen nicht erlernbar sind, werden dann im Rahmen der Praktika in Panschwitz-Kuckau oder bei Partnern des allgemeinen Arbeitsmarktes erlernt und gefestigt. Die Kompetenzprofile ermöglichen, punktgenau festzustellen, welche Module der Beschäftigte schon durchlaufen hat oder für welche Module Praktika notwendig ist. Dadurch ist die Ausbildung unter realen Bedingungen möglich, ohne den polnischen Standort um eine Bäckerei zu erweitern. Hier erhöhen sich die sprachlichen und persönlichen Kompetenzen der Beschäftigten. Vorgesehen ist z. B. einen Workshop zum Thema: Bau einer Holzbrücke über einen kleinen Bach. Ausgebildete Tischler bereiten den Brückenbau im Rahmen ihrer Ausbildung vor (im beruflichen Kompetenzprofil ist bspw. ein Modul vorgesehen, eine Holzverbindung herzustellen). Bei den beruflichen Kompetenzprofilen geht es darum, jeder ausgebildeten Berufsgruppe im Rahmen des Lehrgangs eine entsprechende Aufgabe zuzuweisen und somit die Möglichkeit zu liefern, die erworbenen Kenntnisse unter Beweis zu stellen und zu vervollkommnen.